Gambia – ein Kleinstland ohne Bekanntheit

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe heute aufgrund einer wichtigen Thematik, die mich seit Wochen und Monaten beschäftigt. Durch den Kontakt zu Ehrenamtlichen bin ich auf die politische Situation in Gambia, einem Kleinststaat mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern, aufmerksam geworden. Zuvor hatte ich kaum etwas über die Probleme und das Land erfahren. Nun, da die Situation für Gambier in Deutschland und Europa immer dramatischer wird, wussten wir uns nicht mehr zu helfen und möchten, auch wenn es eher unwahrscheinlich erscheint, dass mein Text (welches an eine bestimmte Redaktion zugesandt wurde) etwas bewegen könnte, versuchen die Aufmerksamkeit der Bundesregierung, der Gesellschaft und Medien auf die Zustände im krisengeplagten Land zu lenken. Mithilfe der Medien könnte dies möglich werden.

Zu Gambia: Der Präsident Yahya Jammeh, auch durch mehrere Spiegel-Beiträge bekannt, unterdrückt sämtliche oppositionelle Meinungen, lässt willkürlich Menschen verhaften, Gefangene foltern und es kommt seit Jahren wieder vermehrt zu brutalen Hinrichtungen in Gefängnissen in Gambia. Und was macht Deutschland? Deutschland bzw. einige führende Politiker möchte/n ein Land, dass seine Menschen systematisch unterdrückt, zu einem sicheren Herkunftsland erklären (Quelle: http://fluechtlingsrat-bw.de/informationen-ansicht/populistische-profilierung-auf-kosten-der-bevoelkerung-gambias.html). Viele Gambier haben nun Angst, dass sie dorthin abgeschoben werden, wo ihnen Haft und Tod droht. Viele haben bereits Familienangehörige und Freunde verloren. Doch wer kennt Gambia? Niemand. Dieser Staat ist uns fremd. Zu klein, zu wenige Bürger – doch legitimiert dies den Präsidenten seine Mitmenschen zu unterjochen? Legitimiert dies Europa Gambia zu einem sicheren Herkunftsland zu erklären?
Diese Menschen fliehen über Senegal, Mali, Niger und Libyen nach Deutschland. Sie werden verschleppt, gefoltert, geschlagen, missbraucht – von Exekutiven, Terroristen und Straftätern. Sie landen in Lagern, werden abgewiesen, hungern und leiden. Oppositionelle, die Glück hatten, betreiben ihre „Oppositionspolitik“ aus dem Exil heraus. Währenddessen schottet sich Gambia weiter ab. Journalisten sind unerwünscht. Das Land zieht sich aus dem internationalen Strafgerichtshof zurück. Es ignoriert humane Werte, internationale Regelungen und Bestimmungen.

Warum ich Ihnen schreibe? Warum ich möchte, dass auf diese Problematik aufmerksam gemacht wird?
Die Gambier, die wir kennengelernt haben, haben große Angst. Sie sind oft offene und lebensbejahende Menschen – trotz der unglaublichen Erfahrungen, die sie durchleben mussten. Sie sind tüchtig, wollen Deutsch lernen, wollen ein Teil der Gesellschaft werden und oft wird ihnen diese Chance genommen. Das liegt mitunter daran, dass viele Gambier Angst haben auszusprechen, was in ihrem Land los ist, was sie erlebt haben und was für Konsequenzen sie erwarten würden, falls sie sprechen würden. In Gambia, so hat man uns das öfter erzählt, spricht man nicht über Politik. Wer darüber spricht, landet im Fahndungsraster des autoritären Machthabers. Und wer flieht, redet auch im Ausland nicht darüber – zum einen, weil sie es ihr lebenlang so beigebracht haben und zum anderen deshalb, weil sie Angst haben, falls sie reden und ihr Asylgesuch abgelehnt wird, sie oder ihre (falls noch lebende) Bekannten und Verwandten Konsequenzen zu befürchten haben.

Am 01.12.2016 sind „Wahlen“ in Gambia. Und am 10.12. ist der internationale Tag der Menschenrechte. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, sind vom 03. – 10.12.2016 landesweit (BW) Aktionen geplant, die auf die Problematiken hinweisen sollen. Dazu finden Sie weitere Informationen auf der Seite des Flüchtlingsrates BW: http://fluechtlingsrat-bw.de/files/Dateien/Dokumente/INFOS%20-%20Fluechtlingsarbeit%20BW/2016%20landesweit/Aufruf%20Gambia-Woche%203-.12.%20Dezember%202016.pdf

Weitere Informationen und Unterlagen zu den Zuständen und Aktionen in und über Gambia finden Sie zudem hier:

2016 Amnesty International: Länderbericht Gambia
2016 Human Rights Watch: Länderbericht Gambia
2016 Freedom House: Länderbericht Gambia
2016 Asylkreis Breisach: Länderdossier Gambia
Videos: Gambia

Humanistische Grüsse

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