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Özil, Gündogan und Erdogan

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Überrascht war ich, zumindest ein bisschen. Özil und Gündogan posieren mit Erdogan, dem Peiniger der kurdischen Autonomie und Zerstörer jeglicher oppositioneller Kräfte. Nusaybin, Sirnak, Sur, Afrin sind einige der Orte, an die ich denke. An Deniz Yücel und Mesale Tolu denke ich – an die verfolgten Gülen-Anhänger in Deutschland. An die Unterstützungen militant-islamistischer Gruppierungen in Syrien, im Irak usw. Meine Gedanken gehen auch in Richtung der Gleichschaltung sämtlicher Medien in der Türkei als auch an Hunderttausende kurdische Binnenflüchtlinge. Ja, das alles geht mir durch den Kopf. Und noch viel mehr. Und davon wussten Özil und Gündogan nichts? Bestimmt nicht. Woher auch? Sie wollten ja keine Politik betreiben. Klar. Deshalb machte sich Gündogan auch so zurecht und schrieb SEINEM Präsidenten noch ein Kommentar auf das verschenkte Trikot. Da lässt es sich natürlich gut mit dem Autokraten von Ankara posieren. Seinem Wahlkampf hilft das – ganz klar. Wem hilft das eigentlich noch? Putin, der mit erhobenem Haupt in Richtung deutscher Nationalelf zeigen kann, wenn man seinen Regierungsstil aus Deutschland heraus kritisiert? Recht hätte er ja irgendwie. Um wem hilft das noch? Löw, dem DFB oder Deutschland? Ganz bestimmt nicht. Wenn Özil und Gündogan ausgebuht werden, wundert mich das nicht (,auch wenn ich nicht glaube, dass es dazu kommt). Ich hätte zumindest Verständnis dafür. Weitere Konsequenzen müssen sie ja, wie wir den Reaktionen verantwortlicher DFB-Akteure entnehmen können, nicht erwarten. Nein. Dazu fehlt es in dieser Institution an Empathie und Menschlichkeit. Die WM findet immerhin in Russland statt – die darauffolgende in Katar. Wir nehmen teil. Ohne Wenn und Aber. Geld, Geld – über alles, über alles in der Welt.

Putschversuch, Putsch und Diktatur

Opposition im Keim ersticken, Journalisten inhaftieren, Kurden bombardieren, Proteste niederknüppeln, Demonstrationen verbieten, Social Media blockieren und und und.

Und wenn es einen Putschversuch gibt, wendet er sich via Facetime, Twitter und Privatfernsehen an die Menschen und fordert sie auf gegen das Militär vorzugehen. Vorgestern skandierten sie noch „Sehitler ölmez, vatan bölünmez“ und plötzlich sieht es anders aus.

Der Anschlag von Ankara 2015 und die Schuldigen

Im Oktober 2015 hielt der wohl bekannteste türkische Mafiapate Sedat Peker in Rize eine Kundgebung gegen den Terror ab, auf der er angekündigte: „Es wird in Strömen Blut fließen!“ Einige Tage später starben bei dem blutigsten Terroranschlag der modernen Türkei 102 Menschen bei einer Friedensdemonstration. Peker, Nationalist, sieht sich als Freund und Unterstützer der AKP, Erdogan’s islamischer Partei. Teilnehmer der Friedensdemo waren vor allem Linke, Kurden, Studenten, NGO-Mitarbeiter, HDP-Politiker – also Oppositionelle.
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